_die zerstörung. des karsten. teil 1.
Juni 30, 2019
 

die zerstörung. des karsten. teil 2.

ich habe den juli genossen. das schöne wetter. die sonne. aber auch gelitten. wenn es richtig heiss wurde. da ja meine körpereigene klimaanlage durch die querschnittlähmung nur noch punktuell funktioniert. an meinem bewegungsprogramm habe ich weiter gefeilt. #diezerstörungdeskarsten. in den letzten vier wochen lernte ich etwas neues. über meinen körper. meinen kreislauf. ich brauche prozente. anstiege. die ich mich im rollstuhl hochquälen kann. möglichst schnell. mit maximalem einsatz. bis zur sprachlosigkeit. damit ich meinen puls mal deutlich höher bekomme. eine gute balance wird notwendig sein. um den körper behutsam an diese belastungen heranzuführen. das ist leicht gesagt. aber schwer umzusetzen. wenn man den ganzen tag sitzt. sich bewegen möchte. aber nur auf wenige muskelgruppen dafür zurückgreifen kann.

der takt meines lebens. periodisierung.

ausdauersportler kennen es. die periodisierung des trainings. die wochen sind durchgetaktet mit verschiedenen impulsen. belastungsphasen. entspannungsphasen. um nicht wild umher zu trainieren. die belastungen mit augenmaß zu gestalten. bei mir gehts derzeit nicht ohne. da ich auf keine erfahrungswerte zurückgreifen kann. neuer körper. neues spiel. vor ein paar wochen habe ich zu schnell zu viel gemacht. die muskeln überfordert. deshalb ab sofort mit noch mehr struktur. ich habe mir einen ersten plan erstellt. für vier wochen. drei wochen davon mit steigender belastung. eine woche zur erholung. je woche mit drei kerneinheiten. über die elemente gebe ich euch mal einen kurzen überblick.

meine straße. des stummen sitzendfahrers.

in meiner nachbarschaft gibt es einen straßenabschnitt. 140 meter lang. zwischen 6 und 10 prozent steigung. im winter vor meinem unfall diente er mir schon als spielplatz. für mein lauftraining. kurze kraftintervalle. super für den abdruck. und zur schulung der lauftechnik. das hat meiner laufperformance zu neuen bestzeiten verholfen. diesen abschnitt habe ich nun für mich wiederentdeckt. als rollstuhlfahrer. für meine erste kerneinheit. das ding haut gewaltig rein.

 
 

wenn ich versuche da zügig kraftvoll hochzufahren. den oberkörper dabei immer wieder nach vorne fallen lasse. um mehr druck auf die greifreifen zu bekommen. zwischen 75 und 85 sekunden brauche ich für das stück. gegen ende bin ich blau. leerer tunnelblick. sterne im anflug. die arme brennen. alles in mir kribbelt. wenn ich nicht schon sitzen würde tät ich umkippen. die letzten fünf meter sind die härtesten. da bewege ich mich dann kaum noch vorwärts. all out. reden kann ich dann nicht mehr. so bekomme ich den puls laut iWatch auf bis zu 158 schläge hoch. einen wert den ich sonst derzeit niemals erreichen kann. egal was ich tue. denn mein kreislauf ist träge. und mir fehlt die muskelpumpe der beine und im vorderen oberkörper. also habe ich mir vorgenommen diesen abschnitt wöchentlich einmal zu besuchen. fahre ihn dann drei bis fünf mal hintereinander hoch. in der ersten woche drei mal. in der zweiten woche vier mal. usw. mit jeweils festen erholungspausen dazwischen. ca drei minuten. ich bin schon gespannt. ob und wie sich diese impulse auswirken. über die monate. auf meine belastbarkeit. meinen kreislauf. ob ich so eine positive entwicklung initiieren kann. wie früher.

 
 

das kurbeln. im keller.

an einem tag in der woche möchte ich kraft-ausdauerintervalle absolvieren. die zweite kerneinheit. so wie früher. auf dem rad. dafür nutze ich meine motomed oberkörper kurbel. im keller. da ich hierfür gleichbleibende bedingungen brauche. die ich draußen mit dem rollstuhl so nicht finde. ich kurbele je fünf minuten lang mit einer festgelegten frequenz. voreingestelltem widerstand. in einem angepeilten wattkorridor. auch hier periodisiere ich die belastung über vier wochen hinweg. anhand der wiederholungen. drei mal. vier mal. usw. bei dieser einheit geht der puls derzeit bei weitem nicht so hoch wie bei der all-out einheit draußen. daran möchte ich noch arbeiten. dafür benötige ich aber viel mehr kraft. in den schultern. in den armen.

it will be a long journey. i know. but it is a journey. at least.

 
 

going long. and easy.

über diese einheit habe ich schon mal geschrieben. die dritte kerneinheit. früher wars der lange lauf. die lange radeinheit. heute habe ich die wahl zwischen motomed oberkörper kurbel oder rollstuhlfahren. rollstuhlfahren ist da eher ungeeignet. wegen der ungleichmäßigen belastungen. durch das terrain. ich will ja nicht stundenlang auf dem parkplatz im kreis fahren. später wenn der haxen es wieder zulässt steht mir natürlich in erster linie dafür das handbike zur verfügung. für eine lange moderate belastung. für die grundlagenausdauer. ich fange jetzt mal recht kurz an. mit 60 minuten. über die wochen hinweg werde ich die dauer behutsam erhöhen. die moderate belastung muss ich noch finden. ausprobieren. was die schultern gut und easy verkraften. hier werde ich geduld benötigen. das wird ein kampf gegen die hummeln im hintern.

 
 

krafttraining.

drei mal in der woche absolviere ich ein krafttraining. mit unterstützung durch eine sportwissenschaftlerin. vanessa gestaltet das training inhaltlich. hilft mir aber auch bei der durchführung. bei einigen übungen muss sie meinen oberkörper vor dem umkippen bewahren. wir legen hier derzeit viel wert auf bewegungsausführung. probieren alle sechs wochen neue bewegungsmuster aus. das ist uns wichtiger als das reine pumpen. meine schultern und arme sind eh schon permanent befeuert. durch den alltag. und meine kerneinheiten.

stabilität. im oberkörper.

die größte challenge für mich. stabilität im oberkörper. gerade die vorderseite. drei bis vier mal die woche versuche ich hier mit physiotherapeuten neue impulse zu setzen. balance. rotation. halten. alles brutal schwierig. da ich vorne weiterhin keinerlei bauchmuskeln aktivieren kann. wir arbeiten derzeit im sitzen auf der bank. hinstellen dürfen wir mich ja noch nicht. wegen dem haxen. der bauch ist wirklich meine größte baustelle. die schwierigste. die alles entscheidende. für weitere fortschritte. deshalb absolviere ich täglich zuhause weitere übungen. in der hoffnung das sich da irgendwann mal etwas tut. saftige impulse werde ich wohl erst bei der nächsten reha geben können. da freue ich mich schon drauf. hoffentlich klappt es gesundheitlich mit anfang 2020.

erholungswoche.

die vierte woche dient der erholung. da schraube ich die kerneinheiten zurück. bei den intervallen auf eine wiederholung. bei der langen einheit auf eine deutlich verkürzte dauer. nur das krafttraining und das bauchprogramm läuft unverändert weiter. so möchte ich meinen körper die chance geben die reize zu verarbeiten. das hatte nach meiner hauruck aktion zu beginn gut gewirkt. auch mental ist das wichtig und gut. um danach mit neuem elan die nächste vierwöchige periode in angriff zu nehmen.

 
 

so. dass war jetzt mal ein kleiner einblick. in mein aktuelles bewegungs programm. wie es mir damit ergeht. welche erkenntnisse ich weiter gewinnen konnte. darüber werde ich euch dann ende august berichten.

#neverstopburning
euer karsten
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burn. with me. on social media.

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