bewegung. mein lebenselixier.


bewegung

in mir lodert ein bewegungsdrang. schon immer. als jugendlicher spiele ich handball. bin auch für andere ballsportarten leicht zu begeistern. mit 30 entdecke ich den laufsport. es macht mir spaß. meinen körper spüren. mit ihm arbeiten. an meine grenzen gehen. diese zu verschieben. beim ausdauersport. der perfekte ausgleich. zum sitzenden projektalltag im büro. zum analytischen denken. zum vielen kommunizieren. zur hektik. den kopf frei kriegen.

lebensstil

die laufumfänge wachsen. die häufigkeit auch. zu schnell. das viele laufen wird zur belastung für meinen körper. es wird mir auch zu monoton. ich brauche abwechslung. alternative strategien. ich befasse mich irgendwann mit radfahren. dann mit schwimmen. zunächst unstrukturiert. es dauert nicht lange und ich denke über triathlon nach. in nur kurzer zeit ergreift er mich. der triathlon virus. entwickelt sich über jahre zur leidenschaft. zum persönlichen lebensstil. geprägt von körperlicher bewegung. körperbewusstsein. sportlichen reisen. bewusster lebensführung.

ambitionen

ambitionen kommen hinzu. die qualifikation für die ironman 70.3 weltmeisterschaft. mein großes ziel. dafür brenne ich. jeden tag. richte schrittweise mein leben danach aus. irgendwann völlig. kompromisslos. umgebe mich mit menschen die mich unterstützen. mir impulse geben können. mich auf diesem weg begleiten. ein weg auch mit rückschlägen. unfällen. verletzungen. enttäuschungen. trotzdem gebe ich nicht auf. kämpfe weiter. arbeite kontinuierlich. auf mein ziel hin. in 2016 möchte ich es erreichen. endlich.

richtungswechsel

bis zum 7.mai 2016. meinem wohl letzten triathlon. ein formtest beim 1/2 iron austria in der südsteiermark. mit 40km/h bin ich auf dem zeitfahrrad unterwegs. auf der rennstrecke. ein sekundenbruchteil. er wird alles ändern. mein leben aus der bahn schmeißen. vollständig. eine autofahrerin übersieht mich. versperrt mir plötzlich den weg. ich bin viel zu nah dran. kann nicht mehr ausweichen. es kommt zur kollision. folgenschwer. querschnittlähmung. ab dem ersten brustwirbel. komplett. von den achseln abwärts. kein gefühl. bewegungsunfähig. komplett. beängstigend.

schwebezustand

zehn monate im krankenhaus folgen. eine zermürbende zeit. viele komplikationen. gesundheitliche rückschläge. immer und immer und immer wieder. stumpfsinniges warten. hilflosigkeit. mein körper fühlt sich an wie eine leblose hülle. ich bin fremd darin. gefangen darin. es fällt mir schwer die zuversicht zu behalten. die lähmung verbessert sich nicht. es ist silvia die mich davor bewahrt mich aufzugeben. und freunde die mich immer wieder ablenken. dann folgen zehn monate zu hause. anfangs unvorbereitet. abhängig von hilfe. beschwerlich. die gesundheitlichen baustellen sind hartnäckig. zu diesem zeitpunkt ist mein denken einzig auf stabilisierung gerichtet. auf die erlangung von mehr mobilität im rollstuhl. meine selbständigkeit zu verbessern. wird es das also sein? ein leben im sitzen?

ein freitag im september 2017. ich begegne menschen, die meine sichtweise verändern. eine neue vision nimmt konturen an. in meinen gedanken. eine stimme in mir wird wieder lauter.

never.stop.burning.