_reisen auf 10bar. porto 2018.
November 11, 2018
_netzwerk insights. nutritional finetuning.
Januar 26, 2019
 

mitten drin. im labyrinth.

kennt ihr das? ihr lauft gegen wände. wieder. und wieder. so als bewegt ihr euch in einem labyrinth. mit verbundenen augen. beweglichen wänden. ihr wollt weiter kommen. aber die wände hindern euch daran. jeder aufschlag schwächt euch. euer vertrautes koordinatensystem. ist nutzlos. wut. enttäuschung. ratlosigkeit. verdammt. wie komme ich hier raus? komme ich hier raus? diese gedanken kamen mir öfter. in 2018.

 
 

blauer himmel. grenzenlos.

krass. solch dunkle gedanken. vor dem unfall im mai 2016 mir fremd. da führte ich ein beinahe sorgloses leben. sorglos aus heutiger sicht. fast alles war möglich. wenn ich nur ernsthaft genug danach strebte. klar kämpfte auch ich gegen widerstände. irrwege. rückschläge. fiel mal hin. konnte aber immer wieder aufstehen. die dunklen phasen dauerten nie wirklich lange. waren auch nie wirklich dunkel. aus heutiger sicht. blauer himmel. grenzenlos. es ging doch immer vorwärts. beständig. anders wie jetzt. inmitten diesem fiesen labyrinth.

2018. steinernes meer.

"du siehst gut aus. trainierst du wieder? ich hab da bilder gesehen.“ eindrücke. von leuten. die nicht nah dran sind. an mir. oder floskeln. wenn die nur wüssten. wie die realität aussieht. in 2018.  so fern von normalität. so fern von beständigkeit. das jahr startet gut für mich. die erste fernreise gerade erfolgreich gemeistert. 12 wochen reha folgen. ich mache fortschritte. zurück zuhause werde ich im frühling aktiver. unterwegs mit dem neuen handbike. fahrtwind schnuppern. eine brise freiheit. ziehe mir aber eine hautverletzung am rücken zu. über wochen wird die wunde nicht besser. entzündet sich. 4 wochen krankenhaus mit 3 ops folgen. bauchlage. rückschritt. der anschließende sommer dümpelt dahin. wegen neuer hauptproblemen. wieder am rücken. tage auf sparflamme. das handbike bleibt unbewegt. ich arbeite wieder. viel auf dem bauch liegend. bekomme das in den griff. im herbst dann weitere 8 wochen reha. wieder fortschritte. anschließend ein kurztripp nach porto. erneute hautverletzung. am rücken. trotz polsterung des hochgeklappten wc deckels. 6 wochen bauchlage mit unterbrechungen. rückschritt. die wundheilung schien zum jahresende fast abgeschlossen. rechtzeitig. für die nächste geplante fernreise. dachten wir. dann der schock. nach 13 stunden im flugzeug. die wunde sieht schlimm aus. ein ambulant chirurgischer eingriff wird unumgänglich. auf offener see. durch den schiffsarzt. wieder bauchlage. von der 14tägigen karibik-mexiko kreuzfahrt werde ich fast nichts mitbekommen.

 
 

reflexion

bin ich unachtsam? lerne ich nicht aus fehlern? das sind berechtigte fragen.
ich bin ab dem erste brustwirbel querschnittgelähmt. meine rumpfvorderseite ist komplett schlaff. instabil. kein muskel regt sich dort. die organe sacken nach unten. nichts hält sie. dadurch explodiert der bauch im sitzen. aufrechtes sitzen ohne anlehnen oder abstützen unmöglich. meine lendenwirbelsäule ist dadurch stark nach hinten gekrümmt. die dornfortsätze stehen spitz und ungeschützt hervor. das macht mich extrem anfällig. für hautverletzungen. an der lendenwirbelsäule. insbesondere wenn ich nicht im rollstuhl sitze. auf der toilette. im auto. im flugzeug. durch druck. oder reibung. nur etwas zu viel davon reicht. nur ein paar minuten zu lange. und das gewebe erleidet schäden. irreparabel. mein problem. ich spüre das nicht. der schaden ist dann groß. dekubitus. die haut kann nicht mehr regenerieren. je nach schweregrad hilft nur noch der chirurgische eingriff. und eine anschließende lange heilungsphase. sehr lange. das alles ist mir bewusst. ich habe verschiedene polster lösungen ausprobiert. um die lws zu schützen. und trotzdem ist es passiert. zum wiederholten mal.

 

2019. neu ausrichten.

nur intensive reha in pforzheim bringt mich voran. langfristig. davon bin ich weiterhin überzeugt. in blöcken absolviert. mindestens zweimal im jahr. um den rumpf besser zu stabilisieren. vielleicht so auch den rücken besser zu schützen. aufrechtere haltung. weniger hautdruck. ich möchte agiler und selbständiger im alltag werden. ohne verletzungen verreisen können. irgendwann vielleicht auch mal alleine. aber wie in der zwischenzeit das risiko beherrschen? auf bewegung und reisen verzichten. ist keine alternative. beides bedeutet freiheit. ein wenig normalität. ein wenig von meinem früheren leben zurück zu bekommen. ich brauche bessere lösungen. zuverlässigen hautschutz. gerade auf reisen ist das schwer. da die bedingungen immer andere sind. ich nicht jedes kleine detail vorab geklärt bekomme. ich selbst so wenig flexibel bin. auf der anderen seite brauche ich sie. die ersehnte gesundheitliche konstanz. dringend. die voraussetzung. für langfristigen fortschritt. ich muss mich befreien. von diesen fesseln. aus diesem labyrinth.

 
 

gedanken. auf der schiffskabine.

diese zeilen schreibe ich auf dem schiff. wir liegen gerade in roatan. honduras. draußen ist es warm. höre ich. ich liege in unserer innenkabine. auf dem bauch. mit blick zur wand. der eingriff war gestern. die wundheilung hat begonnen. wird sicher 4 wochen dauern. Oder gar länger. heute ist weihnachten. trotz allem bin ich zuversichtlich. sofort wieder im analysemodus. wie soll ich auch anders darauf reagieren. auf solche nackenschläge. bin tief überzeugt. bleibe tief überzeugt. das wir die passenden lösungen schon finden. das sich alles zum besseren entwickelt. ein wenig leichtigkeit und sorglosigkeit zurückkehrt. in unseren alltag. sich nicht alles ständig nur um die querschnittlähmung dreht. und all ihre fiesen konsequenzen. wir aus diesem schattigen labyrinth entkommen. raus ins wohlige licht. mein wille bleibt felsenfest. treibt mich an. trotzt diesem mentalen hardcore. statt weihnachtsphrasen flutet ein mantra meine gedanken.

i burn. yes. i do. and i will never. #neverstopburning

euer karsten

 
burn. with me. on social media.

2 Comments

  1. Carmen sagt:

    Du bist toll. Dass du so viel Power hast und dich nicht entmutigen lässt!!

  2. Tina Will sagt:

    Danke, Carsten! Danke für Deine geteilten Gedanken & Erfahrungen!
    Wir begleiten Dich weiter! Glauben an Dich, denn das gibt uns Hoffnung! Und Mut!

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