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Januar 30, 2018
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Februar 9, 2018
 

erste fernreise. ab in die karibik. mit der aida.

mein jahr 2017. nach der rückkehr aus dem krankenhaus geprägt durch ein bestreben. routinen im alltag aufbauen. im vertrauten bereich unserer wohnung klappt das schon ganz gut. an fremden orten ist es noch immer eine herausforderung. ende des Jahres  war die zeit reif. der erste richtige urlaub. im ausland. in der ferne. mit dem flugzeug. für zwei wochen.

 
 

einige unserer freunde haben es schon längst getan. eine kreuzfahrt. vor dem unfall spöttelten wir darüber. betreutes wohnen. auf dem wasser. für uns kam das nicht in frage. wir lieben aktivurlaube. selbst organisiert.

aber jetzt sahen wir es aus einer anderen perspektive. nach dem unfall. im rollstuhl. mit querschnittlähmung. da bietet eine kreuzfahrt die relativ geschützte möglichkeit eine fernreise anzugehen. man sieht unterschiedliche orte und hat sein barrierefreies heim stets mit dabei. unsere wahl fiel auf die karibik. da waren wir noch nie. und es ist dort im dezember warm.

 

unsere reiseroute

mit dem flugzeug von münchen nach bridgetown (barbados). dann mit dem schiff "aida diva" weiter. 
von bridgetown nach castris (111 seemeilen)
von castris nach pointe-à-pitre (149 seemeilen)
von pointe-à-pitre nach st.john's (126 semeilen)
von st.john's nach basseterre (75 seemeilen)
von basseterre nach la romana (392 seemeilen)
von la romana nach willemstad (393 seemeilen)
von willemstad nach kralendijk (51 seemeilen)
von kralendijk nach oranjestad (121 seemeilen)
von oranjestad nach fort-de-france (557 seemeilen)
von fort-de-france nach kingstown (95 seemeilen)
von kingstown nach bridgetown (102 Seemeilen)

 
 
 

vorbereitung

im vorfeld interviewte ich erfahrene querschnittler und das barrierefrei-team von aida. ich hatte viele fragen und keinen blassen schimmer. wie läuft das am flughafen ab? auf was muss ich besonders achten? wie komme ich in die maschine? und wie auf meinen sitzplatz? wie übersteht meine haut den langen flug unbeschadet? was ist die für mich beste strategie in sachen blasenmanagement während des flugs? muss ich die luft aus meinen rollstuhlreifen für den flug rauslassen? wie stelle ich sicher dass der rollstuhl nicht verloren geht? und dass ich ihn sofort nach der landung an der maschine auch wieder bekomme? wieviel verbrauchsmaterial für darm- und blasenmanagement muss ich mitnehmen? soll ich das im gepäck aufgeben? oder kann ich das als handgepäck mitnehmen? schön dass ich sondergepäck mitnehmen kann. aber welcher sherpa soll das bitte tragen? wie sind die gegebenheiten in der schiffskabine? auf welcher höhe sind haltegriffe vorhanden? usw. usw. usw. 

condor economy class desaster

bei der reisebuchung stand ich mit dem barrierefrei-team der aida in kontakt. die fragten alle infos über mein handicap ab. auch meine körpergröße (187cm). zum zeitpunkt der buchung stand noch nicht fest mit welcher airline wir fliegen würden. als dann monate später die info kam, welche plätze auf dem condor flug für uns vorgesehen waren, wurde ich stutzig. reihe 13 in der mitte. wie soll ich da reinkommen. meine kontaktaufnahme bei aida und der condor blieben erfolglos. die maschine wäre ausgebucht und man könnte nichts mehr ändern. als ich dann erfuhr, dass der mobilitätsservice mich beim sitztransfer unterstützt, machte ich mir keine weiteren gedanken hierzu.

anders als erwartet wurde ich dann als letzter passagier in das flugzeug geschoben. am flugzeugeingang hoben mich zwei mitarbeiter von meinem auf den bordrollstuhl. ein gepolsterter sackkarren. in unserer reihe angekommen hoben sie mich dann auf meinen gangplatz. aufgrund meiner lähmungshöhe kann ich nicht mehr aufrecht sitzen. die beinfreiheit in economy class war dort sehr knapp bemessen. folglich bekamen wir die beine nicht am vordersitz vorbei verstaut. ratlos gesichter. die flugbegleiter versuchten zwei mal erfolglos einen passagier der premium economy class zu finden, der mit mir in dieser ausnahmesituation tauscht. im gegenzug wurde immerhin ein grosszügiger gutschein angeboten. die stewardess drohte dann damit einen passagier zwangsweise zu  bestimmen da wir sonst nicht mitfliegen können. alle umsitzenden passagiere, fast allesamt wesentlich kleiner und teilweise recht jung, bewiesen echte steherqualitäten. keiner von denen machte anstalten, uns in dieser unangenehmen situation zu helfen. ein echtes armutszeugnis. schließlich meldete sich thomas. mit seinen 190cm war es eine tortur für ihn,  sich auf diesem langstreckenflug in den sehr engen economy platz reinzufalten. thomas rettete uns den urlaub. wir sind ihm sehr dankbar! 
die durch mich verursachte 30minütige verspätung wurde dann noch durch einen generatorausfall auf 3 stunden wartezeit in der maschine ausgedehnt. dank meines sitzpolsters unter meinem hintern überstand ich diesen monsterflug trotzdem unbeschadet.

das schiff

das schiff aida diva ist bis auf einige wenige ausnahmen barrierefrei. der im inneren überall verlegte dicke teppichboden garantiert das tägliche krafttraining beim anschieben des rollstuhls. die großen türen der rollstuhlkabinen sind schwer zu öffnen. bei der gestaltung des rollstuhlgerechten badezimmers, speziell der dusche, wäre die beratung eines betroffenen rollstuhlfahrers hilfreich gewesen. für mich war die dusche leider nicht nutzbar. in allen öffentlichen rollstuhl toiletten gab es sogar höhenverstellbare waschbecken. nur keines davon funktionierte. der treppenlift zum höchstgelegenen vorderen sonnendeck war defekt. den teil des schiffes konnte ich mir daher leider nicht ansehen. beim betreten und verlassen des schiffes in den häfen benötigte ich immer die anpackende hilfe der servicemitarbeiter. das klappte immer tadellos. in den restaurants gab es reservierte tische für rollstuhlfahrer. leider nur nicht unterfahrbar.  

landgänge

leider hatte aida trotz den zahlreich angebotenen ausflügen nichts für gehunfähige rollstuhlfahrer anzubieten. die logistik an land auf eigene faust war eine größere herausforderung bei meiner lähmungshöhe. in die hohen taxi-vans konnte ich ohne die zupackende hilfe von starken helfern nicht einsteigen. die preislichen vorstellungen der taxifahrer waren zudem ziemlich dreist. mit 50 us dollar für die hin- und rückfahrt zu einem 6 km entfernten strand muss man rechnen. ich beschränkte mich daher auf das erkunden der hafenorte. in fort-de-france unternahmen wir eine bootsfahrt zu einer vorgelagerten insel. auch hier waren zwei starke helfer nötig, mich und den rollstuhl ins boot und wieder raus zu heben. ich hätte sicher noch mehr unternehmen können, wenn wir das im vorfeld recherchiert hätten.

fazit

in meiner neuen lebenslage war diese art von urlaub für uns genau das richtige. wir haben einiges gelernt und fühlen uns gewappnet für die nächste herausforderung. eine selbst organisierte fernreise.  

burn. with me. on social media.

3 Kommentare

  1. Stefan sagt:

    Schöner Bericht! Weiter so Karsten..

  2. müsli sagt:

    Lieber Karsten, hab deine Erlebnisse eingesogen. Toller Bericht, tolle Photos und tolle Homepage. Wird gleich mal kräftig verlinked. Und immer dran denken: nicht Du bist das Hindernis …

  3. Sebastian sagt:

    Danke für die Einblicke!

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