_netzwerk insights. nutritional finetuning.
26. Januar 2019
_wellengang. auf 10bar.
26. April 2019
 

_trainieren auf 10bar.

welche körperlichen entwicklungsmöglichkeiten habe ich noch. diese frage beschäftigt mich seit 3 jahren. seit dem unfall. seit meiner hohen querschnittlähmung. zeit für eine gedankliche bestandsaufnahme.

 

wann geht es mir gut.

ich bin weit davon entfernt es sagen zu können. ich fühle mich gut. das liegt nicht am rollstuhl. ich hänge auch nicht in einem mentalen tief. bin auch nicht chronisch unzufrieden. es liegt an den konsequenzen meiner hohen querschnittlähmung. mein gesundheitlicher zustand. der immer noch meinen alltag bestimmt. gelähmt bin ich ab dem ersten brustwirbel. neben den äußerlich sichtbaren funktionalen konsequenzen gibt es die unsichtbaren. die frage die mir niemand beantworten kann. werde ich mich jemals wieder gesund fühlen.

 
 

funktionale konsequenzen.

ich bin schlaff gelähmt. ohne muskuläre restaktivitäten. vorne von der brust abwärts. das ist äußerlich sehr deutlich sichtbar. im sitzen explodieren meine organe förmlich im bauchraum. nichts hält sie an ihrem vorgesehenen platz. ich sitze daher auch schlecht im rollstuhl. lümmeln trifft es besser. rutsche ständig mit dem gesäss nach vorne. liege quasi im rollstuhl. im oberkörper eingesunken. nach vorne geknickt. mit zusätzlichem seitlichen knick im linken unteren brustkorb. nach vier monaten zwangspause im bett ist das wieder schlimmer geworden.  diesen zustand zu verbessern ist mein erklärtes ziel. dazu werde ich aber muskeln im vorderen rumpfbereich benötigen. ob da noch mal funktionell was zurück kommt ist ungewiss. im rücken hat sich ja schon einiges getan. aber das alleine reicht nicht. daher arbeite ich daran. zuhause. jeden tag. bin weiter auf der suche. recherchiere. nach zusätzlichen ansätzen. unterhalte mich mit anderen querschnittverletzten. die suche gestaltet sich schwierig. jede verletzung ist anders. ich weiss dass ich meinen eigenen weg finden muss. da es keine referenzen für meine individuelle situation gibt.

 

unsichtbare konsequenzen.

die fixateure an der brustwirbelsäule machen sich bemerkbar. einige rotationsbewegungen im oberen teil des oberkörpers ziehen stark. unangenehm. das permanente kribbeln von der brust bis runter zu den zehen kann ich nicht immer ausblenden. der permanent vorhandene druck auf den brustkorb und den bauch macht mir stark zu schaffen. so als wäre ich fest in ein eisenkorsett eingeklemmt. dadurch fühle ich mich ständig unwohl. es fühlt sich nicht gesund an. zudem ist mein kreislauf extrem träge. nur wenn ich mich bewege kann ich mich temporär von diesen störenden faktoren ablenken.

 
 

trainingsmöglichkeiten.

auf das handbike muss ich derzeit noch verzichten. um die junge haut an der lws nicht wieder zu beschädigen. gut das ich im keller das motomed nutzen kann. ein gerät mit einer handkurbel zum aktiven oberkörper- und kreislauftraining. seit einigen wochen nutze ich dieses gerät wieder fast täglich. um die zeit abwechselungsreich zu gestalten habe ich mir diverse trainingsinhalte überlegt. so versuche ich unterschiedliche impulse zu setzen. den körper langsam wieder an belastungen heranzuführen. durch 30minütige einheiten. den kreislauf zu verbessern. alle trainings und alltagsbelastungen gehen auf die schultern. daher  muss ich sehr behutsam und geduldig sein. da sich die kurbeln beim handbike von denen des motomed in der höhe und im bewegungsablauf unterscheiden möchte ich langfristig beide trainingsmöglichkeiten gleichermaßen nutzen.

 

kreislauftraining.

mein puls bewegt sich derzeit von 50 schlägen pro minute im ruhezustand bis zu 110 schlägen pro minute bei kurzer maximaler anstrengung. weiter hoch bekomme ich ihn nicht. vorher versagt mir die muskelkraft an lattisimus und schulterblatt. diese probleme mit dem kreislauf sind der hohen querschnittlähmung geschuldet. zum vergleich. vor dem unfall lag mein ruhepuls bei ca 36 und mein maximalpuls bei 178. um den kreislauf zu trainieren  variere ich das training am motomed. hier ein paar beispiele.   

 
 
  • frequenzorientierte einheit
    je 10minuten ein- und ausfahren mit lockerer belastung
    im hauptteil 10x 15sekunden hohe frequenz mit ca 110 umdrehungen pro minute und 45sekunden lockere frequenz mit ca 70 umdrehungen pro minute

  • kraftorientierte einheit
    je 5minuten ein- und ausfahren mit lockerer belastung
    im hauptteil 2x 5minuten mit hohem widerstand und 5minuten mit wenig widerstand

  • sprint einheit
    je 5minuten ein- und ausfahren mit lockerer belastung
    im hauptteil 5x 20sekunden mit maximalem widerstand und frequenz und 100sekunden locker

  • frequenz oder kraft treppe
    je 5minuten ein- und ausfahren mit lockerer belastung
    im hauptteil alle 2minuten mit steigender frequenz oder zunehmendem widerstand

  • frequenz oder kraft pyramide
    je 5minuten ein- und ausfahren mit lockerer belastung
    im hauptteil alle 2minuten mit steigender und anschließend fallender frequenz oder zunehmendem und anschließend abnehmendem widerstand

  • technikorientierte einheit
    je 5minuten ein- und ausfahren mit lockerer belastung
    im hauptteil alle 5minuten kurbelrichtung ändern. vorwärts. rückwärts. dabei auf ein sehr gleichmässiges flüssiges kurbeln achten. so wie beim runden tritt auf dem fahrrad.
 
 

ausblick.

im nächsten jahr werde ich mir einen stehtrainer anschaffen. dann kann ich täglich meinen körper ohne fremde hilfe in die vertikale bringen. das ist nicht nur gut für die knochen und mein gemüt. es trainiert auch meinen kreislauf. es gibt mir auch die möglichkeit in eingeschränkter weise an meiner rumpfstabilität zu arbeiten. wesentlich effektiver und intensiver ist hierfür die stationäre therapie im zentrum für rehabilitation in pforzheim. in meiner idealvorstellung verbringe ich jährlich im frühjahr und im herbst je 8 wochen dort. um neue entwicklungsstufen zu erreichen. die es dann in eigenregie und unterstützt durch ambulante therapie zu stabilisieren gilt.

 

aber jetzt gilt es erst mal in 2019 wieder ins rollen zu kommen. nach dieser 4 monatigen schwierigen phase. auf dem bauch. und weiter zu suchen. nach individuell für mich geeigneten lösungen. damit ich vielleicht doch irgendwann mal wieder sagen kann. ich fühle mich gut.

#neverstopburning
euer karsten

 
burn. with me. on social media.

1 Comment

  1. Katharina Kern sagt:

    Hi lieber Karsten,
    Ich freue mich dich in einer Woche nach einer so langen Zeit zu sehen!
    Ganz lieben Gruß
    Katharina Kern

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