_interview mit der landauer neuen presse
3. März 2021
 

seit anfang 2021 steht mir zuhause ein neues therapiegerät zur verfügung. ein stehtrainer. mit crosstrainer option. was das ist und wie ich das gerät mit meiner hohen querschnittlähmung nutze. das erfahrt ihr in diesem beitrag.  

stehtraining in eigenregie

dieser gedanke beschäftigt mich schon lange. seit ende 2016. als ich nach dem unfall endlich das bett nachhaltig verlassen konnte. irgendwann in eigenregie ein stehtraining zu absolvieren. um den kreislauf und die rumpfstabilität herauszufordern.

aus dem krankenhaus kannte ich nur den theratrainer balo. ein stehpult mit gurtsystem. das mich aus dem rollstuhl in den stand hochzieht. in der anwendung für mich ohne hilfe nicht ganz so easy. zudem ein optisch hässliches drum. im typischen krankenhaus design.

in 2018 wurde ich dann auf den hersteller moso und dessen geräte aufmerksam. empfohlen wurde mir das von einem arzt der bgu tübingen. während eines reha aufenthaltes in pforzheim konnte ich zwei varianten dann erstmals testen.

anfangs war ich mir unsicher welches modell für meine körperliche situation besser geeignet ist. ich kämpfe durch den unfall auch mit einer krümmung in der lendenwirbelsäule nach hinten sowie mit einer seitkrümmung. moso bietet ein modell als reinen stehtrainer an. den easy stand. und dann die variante mit crosstrainer funktion. den evolv glider. ende 2020 war dann die zeit gekommen. perspektivisch machte für mich der evolv glider mehr sinn. aufgrund der möglichkeit im stehen auch ein cardiotraining absolvieren zu können.

 
 

ready for take-off

der transfer vom rollstuhl in das gerät funktioniert für mich einfach. dort angekommen bin ich nach wenigen handgriffen startklar. mit hilfe eines elektromotors befördert mich das gerät aus der sitzenden position ins stehen. gehalten werde ich unten durch knie- und hüftpilotten. oben durch ein rücken und brustpolster. einen gurt. und natürlich meine arme. das aufstellen oder absenken dauert nur wenige sekunden. ich steuere das über einen commander auf der rechten seite. das tolle an der ganzen sache. ich kann das gerät komplett selbstständig nutzen. ohne weitere fremde hilfe. das ist mir immer extrem wichtig. selbständigkeit. und ohne verletzungsrisiko.

 
 

anpassungsbedarf

ihr wisst ja. ich bin stets verletzungsgefährdet. mit meiner haut am rücken. im bereich der lendenwirbelsäule. wegen der starken wirbelsäulen krümmung. den vielen verletzungen. die meine haut dort sehr dünn gemacht haben. daher merkten wir sofort. das standard rückenpolster funktioniert für mich nicht. ein spezielles mehrschichtiges polster mit aussparung musste angefertigt werden. damit kein druck auf die hautstelle entsteht. nach einigen kurzen tests hat sich diese anpassung bewährt. es konnte endlich losgehen. 

 
 

die ersten fünf wochen

seit februar habe ich das gerät 20 mal genutzt. leider gab es in dieser zeit auch immer mal wieder tage an denen ich gesundheitlich etwas angefasst war. so als würde ich fieber bekommen. so schnell wie das kommt so schnell geht das dann wieder. jedenfalls merke ich das dann auch deutlich beim stehen. mehr als stehen war noch nicht möglich. die belastung für den kreislauf ist hoch. der puls geht auf 100 bis 120 schläge hoch. das ist für meine verhältnisse schon viel. hinzu kommt dann die ungewohnte belastung für den rumpf. nach einer einheit brennt und kribbelt es im brustkorb und bauch mehr als sonst eh schon.

das ich mich zunächst nur auf das stehen konzentriere war aber auch von anfang an mein plan. angefangen habe ich mit 10 minuten stehen. die stehdauer habe ich dann in kleinen schritten über die wochen bis auf 45 minuten erhöht. es gab tage an denen ich mich aufrecht halten konnte. mit den händen an den griffen abstützend. an anderen tagen schaffte ich das wegen kreislaufproblemen nicht. dann musste ich mich etwas nach vorne beugen. den kopf senken und mit der stirn abstützen. 

 
 

zwischenfazit

ich bin überrascht. die anpassung für den kreislauf dauert länger als ich dachte. vielleicht liegt das aber auch nur an der zuvor beschriebenen  gesundheitlich etwas wackeligen phase. ich bin gespannt wie sich das weiter entwickelt. hoffe natürlich das ich da eine deutliche verbesserung sehen werde.

die kombination von stehtraining und anschließendem indoor kurbeltraining am motomed ist für den rumpf auch nicht ganz ohne. ich bin danach auffallend platt. das kurbeltraining habe ich zugunsten des stehtrainings natürlich reduziert. dadurch sind meine muskulären probleme in schulter und armen zurück gegangen. das war ein erhoffter effekt.

ausblick

in gedanken bin ich natürlich schon weiter. wenn ich in der lage bin ohne probleme die 45 minuten den rumpf aufrecht zu halten steige ich in die nächste phase ein. das cardiotraining mit dem crosstrainer. das werde ich mit kurzen intervallen von 10 - 20 - 30 etc sekunden anbahnen. die haut natürlich immer weiter im blick. durch die armbewegung verändern sich die druckverhältnisse und position am rückenpolster erneut. das müssen wir austesten. das fernziel ist dann 45 minuten durchgängig am crosstrainer trainieren zu können. mal schauen wie weit ich damit bis zum jahresende komme. ihr seht. diese neuen indoor optionen beflügeln mich. nice. very nice. ich werde euch weiter berichten.

Hersteller Links für weitergehende Recherche:
https://www.moso-gmbh.de
https://thera-trainer.com/en/thera-trainer-products/standing-balancing/thera-trainer-balo

 

immer schön aufrecht bleiben.
euer karsten 

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